Kunst, Macht und Märtyrer:
- Julia Raab
- 10. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Vereinsausflug zum Haus der Bayerischen Geschichte und St. Emmeram
Der diesjährige Vereinsausflug führte uns nach Regensburg. Zwischen königlichen Visionen und jahrhundertealten Klostermauern erlebten wir einen Tag, der uns Staunen, Schmunzeln und viele neue Erkenntnisse bescherte.
Ludwig I. - Bayerns größter König?
Am Vormittag tauchten wir ein in die Sonderausstellung zu König Ludwig I. von Bayern (1786-1868). Kaum ein anderer Monarch hat das Gesicht Bayerns so nachhaltig geprägt. Mit unerschütterlicher Begeisterung für Kunst und Architektur ließ er Bauwerke errichten, die heute zu den Wahrzeichen Bayerns gehören - die Glyptothek, die Alte Pinakothek oder die Walhalla bei Donaustauf, jene monumentale Ruhmeshalle an der Donau.
Besonders spannend war der Blick hinter die Fassade: Ludwig, der sich gern als "König der Künste" inszenierte, war auch ein Mensch voller Widersprüche. Politisch stieß er oft auf Widerstand, und sein Rücktritt im Revolutionsjahr 1848 hatte nicht zuletzt auch private Gründe. Ludwig war für seine Schwäche für schöne Frauen bekannt - seine Affäre mit der Tänzerin Lola Montez führte schließlich zu einem Skandal, der sein politisches Ende beschleunigte.
Die Ausstellung zeigte aber auch, wie Ludwig durch seine Bauwerke eine Art "Identitätsarchitektur" schuf: Er wollte Bayern in den Rand einer europäischen Kulturnation erheben - ein Erbe, das bis heute sichtbar ist.

St. Emmeram Basilika
Am Nachmittag führte uns unser Weg in die St. Emmeram Basilika, ein Ort, dessen architektonischen Spuren über tausend Jahre bayerischer Kirchengeschichte erzählen. Gegründet im 8. Jahrhundert, ist das Kloster dem heiligen Emmeram geweiht, einem fränkischen Wanderbischof und Märtyrer des 7. Jahrhunderts, dessen Reliquien bis heute hier in der Krypta ruhen. Über die Jahrhunderte hinweg war St. Emmeram eng mit dem Heiligen Römischen Reich verbunden: Kaiser Karl der Große, Kaiser Arnulf von Kärnten und andere förderten das Kloster.
Im 18 Jahrhundert erhielt die Kirche ihre heutige barocke Pracht: Zwischen 1731 und 1733 gestalteten die Gebrüder Asam nicht nur Fresken und Stuck, sondern luden das Bildprogramm mit imperialen Symbolen auf.
Ein besonders bemerkenswerter Einfall: Johann Baptist Kraus, der seit 1730 als Kellerar im Kloster arbeitete und die Bauarbeiten durch die Asam-Brüder akribisch überwachte, wurde so gewürdigt, dass er in die dekorative Ausstattung der Kirche einbezogen wurde - so wacht er bis heute aus einem kleinen Eck an der Decke über die Geschehnisse.


